Turbulente Tage

Die letzten 2 Wochen waren wir das erste mal für längere Zeit ohne Internetzugang, weshalb ich euch erst jetzt von unseren turbulenten letzten Tagen berichten kann.
Am 07. November verabschiedeten wir uns von Jo, Micha und ihren Milchkühen und machten uns auf in Richtung Odenwald. Dort sollte unser nächster Hof liegen, welchen wir als unser Winterquartier auserkoren hatten. Auf der Internetseite machte der Biohof einen tollen Eindruck und schien uns vor allem für Joschka ein Paradies zu sein. Es gab Schafe, Esel, Schweine, Hühner und ein Pferd- von jedem ein bisschen und nur für die erweiterte Selbstversorgung gedacht.
Der Inhaber, ein alleinstehender älterer Mann, warb mit einer sehr offenen Pädagogik bei der Kinder sich viel ausprobieren können.
Als wir gegen Nachmittag auf dem Hof ankamen, war der Empfang schon recht kühl und schweigsam. Statt sich über Joschka zu freuen, der, ganz wie er eben ist, sofort Kontakt knüpfen wollte, bekamen wir nur ein „Der is aber forsch.“ entgegengemuffelt.
Wir dachten, dass er vielleicht nur einen schlechten Tag hatte und dass es am nächsten Tag bestimmt besser wird. Leider wurde weiter gemotzt und wir hatten nicht den Eindruck, willkommen zu sein. Unsere Hilfe konnte er zwar gut gebrauchen, aber das wir einen vor Müdigkeit heulenden Joschka erst ins Bett bringen müssen, bevor wir weiter arbeiten können, schien ihm garnicht zu passen. Wir merkten schnell, dass wir dort nicht bleiben wollten und haben uns an einen Hof gewandt, der uns schon bei unserer letzten Suche eine Zusage gegeben hatte. Wir hatten Glück und Silvia und Marc hatte noch Platz für uns. Um uns kennen zu lernen, haben wir uns in einem Cafe getroffen. Ihr Hof lag nämlich nur 40 Km weiter. Ihre Tochter ist in Joschkas Alter und die beiden haben sich gleich gut verstanden. Sie erzählten uns von ihrem Hof, den sie erst 2014 gekauft haben und auf dem sie Kühe zur Fleischproduktion halten. Wir konnten jedoch nicht sofort mitkommen und mussten noch vier Tage überbrücken. Da wir nicht bei diesem Muffel bleiben wollten, haben wir uns für die Tage einen Campingplatz gesucht. Mit dieser Entscheidung waren wir sehr glücklich. Es war sehr schön, ein paar Tage nur für sich zu sein. Einfach nur wir vier und unser Wohnmobil. Das konnte dann auch endlich mal voll und ganz ausprobiert werden. Alles lief problemlos. Die Gasheizung und das Lüftersystem hatten den Innenraum im Nu aufgeheizt und weil wir diesmal auch am richtigen Strom angeschlossen waren, nahmen wir auch den Kühlschrank in Betrieb. Die Markise wurde ausgefahren und wenn es noch ein wenig wärmer gewesen wäre und für die nächsten Tage kein Regen angekündigt worden wäre, hätten wir auch noch die Campingmöbel und den Grill ausgepackt. 🙂

img_8988

Vom verregneten Wetter haben wir uns nicht beeindrucken lassen. Der Wald rings um den Campingplatz war weitläufig und auch im kaltnassen Herbstwetter schön zu durchwandern.
Am Donnerstag Nachmittag sind wir dann aufgebrochen, um nach Seckach zu Silvia, Marc und Lena zu fahren.
Der Hof von den dreien liegt ziemlich abseits und unser Navi hat sich schwer getan alles richtig zu verorten. So kam es, dass wir erst einmal am Ziel vorbeigefahren sind. Als Luisa dann wenden wollte, passierte es. Es war schon dabei dunkel zu werden und weder in den Spiegeln, noch in der Rückfahrkamera konnte man wirklich sehen was hinter einem los war. Statt in den Waldweg fuhr der Hintern von Herbie in einen Graben! Großer Schreck! Plötzlich stand die Welt schief. Joschka fing sofort an zu weinen, „Autowunni putt!“ und Luisa und ich fluchten. Also erst mal raus und Joschka beruhigen. Garnicht so leicht, wenn man selbst nicht weis wie schlimm es wirklich ist.

img_9035

Wir hatten zum Glück aus den vorherigen Anreisen gelernt und im Vorfeld einen Rucksack gepackt, mit dem wir den ersten Tag zurecht kommen können. Es ist einfach nervig Abends anzukommen und fünfzig mal ins Wohnmobil zu rennen, weil man noch was vergessen hat. Besagten Rucksack geschultert ließen wir unser Auto erst mal hängen und gingen die Straße hoch, wo wir die letzten Höfe passiert hatten. Die erste Dame die wir im Fenster sahen und die genau gesehen hatte was gerade geschehen ist, lies ratternd die Jalousien runter. Wie nett von ihr! Später erfuhren wir, das sie ein eigenartiges Problem mit Fremden hat und das es nach dem Einzug von Silvia und Marc über ein halbes Jahr gedauert hat, bis die Dame mit ihnen sprechen konnte. Silvia war mit Lena zu Hause. Wir erzählten ihr, dass unser Wohnmobil hinten im Graben hängt. Leider war Marc noch arbeiten und vor dem nächsten Morgen war wohl nichts zu machen. Obwohl das eine sehr unbehagliche Vorstellung war und der ganze Umstand an sich total doof gewesen ist, war die Stimmung heiter. Mit dem Frontlader würden wir es schon irgendwie rausziehen können. Wir gingen also nochmal zurück, um die Fahrräder und andere schwere Dinge auszuladen. Als wir gerade dabei waren, fuhr ein Auto vor. Es war der Mann von der Nachbarin mit den ratternden Jalouien und sein Neffe. Sie hatte also wenigstens jemandem bescheid gesagt, wenn sie schon nicht mit uns reden konnte. Die beiden fachsimpelten eine Weile mit welchem ihrer Schlepper das wohl am besten zu machen wäre und beruhigten Luisa, dass sie nicht die erste wäre, die in diesem Graben gelandet ist. Sie entschlossen sich, unser Wohnmobil nicht vorwärts raus zuziehen, sondern es an der Anhängerkupplung anzuheben und dann den Hintern von Herbie auf die Straße zu drehen.

img_9036

Ich war sehr froh, dass wir nicht bis zum nächsten Tag warten mussten und das die beiden so selbstverständlich halfen. Die Aktion hat auch sehr gut funktioniert. Unser Fahrradträger wurde von dem Gurt an einer Stelle aus den Schrauben gerissen, aber dass ließ sich in dem Moment nicht verhindern. Selbiges ist der Leiter widerfahren. Ansonsten war nichts. Am Unterboden alles dran und alles ganz. Die ausfahrbare Stufe funktionierte noch und das Auto fuhr noch schön gerade aus. So schnell wie die beiden erschienen waren, so schnell waren sie auch wieder weg. Wir werden bald mal rüber gehen und uns bei ihnen bedanken, denn dazu sind wir bisher nicht gekommen.
Joschka und Lena standen während der Rettungsaktion die ganze Zeit händchenhaltend und plappernd nebeneinander. Es ist echt schön zu sehen, wie viel Spaß die beiden zusammen haben.

Wie es hier so aussieht und was wir so treiben erzähl ich euch an anderer Stelle. Aber es kommt ein sturer Bulle und ein Hechtsprung durch den Stromzaun vor! 🙂

Bis bald,

Marek